Das kommt eben davon, wenn man sein Publikum nicht mit Programmheften ausstattet. Dann klatscht es auch einmal im Überschwang selbstbewusst zwischen die Sätze. Und das ausgerechnet bei der bekannten Psalm-Vertonung „Wie der Hirsch schreit“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Immerhin handelte es sich ja hier um die Gäste der Frankfurter Mendelssohn-Gesellschaft, die zum Auftakt ihrer Mendelssohn-Tage in die Alte Oper geladen hatte. Der 42. Psalm entwickelt in der Mendelssohn-Fassung über die gesamte Strecke hinweg eine fühlbare Spannung, die sich auch in den Schlusstakten nicht so recht zu entladen scheint. Den Interpreten des Abends gelang genau diese schlüssige und zielstrebige Interpretation, die man sich bei diesem Werk wünscht. Paulus Christmann führte die Deutschen Philharmoniker und die Sängerinnen und Sänger der Frankfurter Singakademie, des Polizeichors Frankfurt und der Mendelssohn-Chorvereinigung Frankfurt energisch zusammen. Elisabeth Scholl übernahm den Solopart in angemessen oratorienhafter Manier und mit hohem dramatischem Anteil. Eike Wilm Schulte trug in einer Frankfurter Erstaufführung die Konzertarie „On Lena’s Gloomy Heth“ vor. Das Werk ist weitestgehend unbekannt, auch weil es bis heute nicht editiert ist. Der Bariton vermischte hier die grundsätzliche Schlichtheit des Stückes geschickt mit einem kraftvollen Ansatz. In der Konzert-Ouvertüre „Die Hebriden“ und der „Schottischen“ Sinfonie erwies sich das Orchester als warm timbrierter Klangkörper, der feine Differenzierungen und Zwischentöne zuließ.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Sonntag, 9. Dezember 2007
Donnerstag, 6. Dezember 2007
Das hr-Sinfonieorchester unter Paavo Järvi zeigt sich in der Alten Oper auch ohne Solisten in bester Verfassung
Es ist recht ungewöhnlich, ein Orchesterkonzert ohne Solisten zu hören. Auf der anderen Seite aber gibt das dem Orchester die Gelegenheit, endlich einmal den ganzen Abend lang im Zentrum des Interesses zu stehen und zu zeigen, was in ihm steckt, ohne auf einen Solisten Rücksicht nehmen zu müssen. Das hr-Sinfonieorchester jedenfalls braucht sich wirklich nicht hinter großen Namen verstecken. In der Alten Oper stellten die Musiker unter Beweis, das sie ohne Frage mit den großen internationalen Klangkörpern auf Augenhöhe spielen.
Der Auftakt geriet einigermaßen harmlos mit Gustav Mahlers „Blumine“. 1896 hatte der Komponist den ehemals zweiten Satz aus seiner ersten Sinfonie heraus genommen. Ob auf Druck des Publikums und der Kritik, die ihn als trivial und banal bezeichnet hatte, oder aus eigenem Antrieb, ist nicht sicher. Das serenadenhafte Stück jedenfalls wird von Mahler selbst als „glückselige Schwärmerei“ bezeichnet und so wirkte der Satz denn auch beim hr-Sinfonieorchester.
Mit der 2. Sinfonie D-Dur op. 73 setzte das Orchester unter Leitung von Paavo Järvi seinen Brahms-Zyklus fort. Der Komponist bezeichnete sie einmal als sein „neues liebliches Ungeheuer“. Ein Ausdruck, der vielleicht auch mit der Unbeschwertheit seiner Entstehungszeit im Jahr 1877 während eines Sommeraufenthalts am Wörther See zusammen hängt. Dem Orchester gelang es unter anderem, den idyllischen Charakter des dritten Satzes konsequent zu entwickeln, zuvor war der zweite Satz in nachdenklicher Stimmung verklungen.
Franz Schuberts „kleine“ 6. Sinfonie, ein Frühwerk in C-Dur, wurde energisch, mit viel Lebenslust und kraftvoller Zuversicht interpretiert. Das Orchester zeigte sich an diesem Abend spielfreudig und zupackend, dabei immer mit einem sicheren Gespür für Zwischentöne und notwendige Differenzierungen.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Der Auftakt geriet einigermaßen harmlos mit Gustav Mahlers „Blumine“. 1896 hatte der Komponist den ehemals zweiten Satz aus seiner ersten Sinfonie heraus genommen. Ob auf Druck des Publikums und der Kritik, die ihn als trivial und banal bezeichnet hatte, oder aus eigenem Antrieb, ist nicht sicher. Das serenadenhafte Stück jedenfalls wird von Mahler selbst als „glückselige Schwärmerei“ bezeichnet und so wirkte der Satz denn auch beim hr-Sinfonieorchester.
Mit der 2. Sinfonie D-Dur op. 73 setzte das Orchester unter Leitung von Paavo Järvi seinen Brahms-Zyklus fort. Der Komponist bezeichnete sie einmal als sein „neues liebliches Ungeheuer“. Ein Ausdruck, der vielleicht auch mit der Unbeschwertheit seiner Entstehungszeit im Jahr 1877 während eines Sommeraufenthalts am Wörther See zusammen hängt. Dem Orchester gelang es unter anderem, den idyllischen Charakter des dritten Satzes konsequent zu entwickeln, zuvor war der zweite Satz in nachdenklicher Stimmung verklungen.
Franz Schuberts „kleine“ 6. Sinfonie, ein Frühwerk in C-Dur, wurde energisch, mit viel Lebenslust und kraftvoller Zuversicht interpretiert. Das Orchester zeigte sich an diesem Abend spielfreudig und zupackend, dabei immer mit einem sicheren Gespür für Zwischentöne und notwendige Differenzierungen.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Mittwoch, 5. Dezember 2007
Über die 2006 eingeweihte Orgel in der Idsteiner Kirche St. Martin
Das klingt schon fast nach luxuriöser Verschwendung. Eine neue Orgel. Und das in Zeiten, in denen Gemeinden der Geldhahn zugedreht wird, oft nur noch das Nötigste finanziert werden kann. Dann so ein riesiges Projekt. Bis das Instrument in der Idsteiner Kirche St. Martin angeschafft wurde, dauerte es allerdings viele Jahre. In den Jahren 1989 bis 1991 war Thomas Gabriel Kantor in der katholischen Gemeinde und setzte sich vehement für den Bau einer Empore für den Chor und eine neue Orgel ein. Das bislang genutzte Instrument, eine 1974 von der Firma Walcker gebaute Orgel, hatte erhebliche Mängel aufgewiesen. In den 70er Jahren wurden nämlich seit Jahrhunderten bewährte Materialien wie Leder oder Holz durch Kunststoffe, Schaumstoff oder Aluminium ersetzt. Die Verschleiß-Spuren waren mittlerweile derart weit fortgeschritten, dass eine Renovierung zu teuer geworden wäre, um das Ergebnis zu rechtfertigen.
Also sollte ein neues Instrument her. Nach und nach wurde klar, dass ein solches Unternehmen auch zu einer Veränderung an der Bausubstanz der Kirche führen würde, so wurde der bisherige Orgel-Förderverein zum Förderverein für die Neugestaltung des Innenraums. Schließlich entschloss sich der Pfarrgemeinderat gegen eine Empore, die im hinteren Bereich der Kirche hätte gebaut werden müssen. Geplant wurde ein Umbau des Chorraumes, so dass die Sänger während des Gottesdienstes nicht ständig ihren Platz wechseln müssen, die Orgel wurde in der Mündung vom Querschiff zum Hauptschiff vorgesehen.
Mittlerweile war viel Zeit ins Land gegangen, im Jahr 2002 ging es endlich los. In der Zwischenzeit hatte Franz Fink das Kantorenamt übernommen und sich um den Bau der Orgel gekümmert. Seine Vorgabe: Die neue Orgel sollte mit den alten handwerklichen Techniken gefertigt werden. Eine Ausschreibung wurde durchgeführt, die schließlich von der Firma Mebold aus Siegen gewonnen wurde. „Jeder Organist hat sein Idealinstrument im Kopf“, sagt Franz Fink und ist sich der privilegierten Situation bewusst, an der Entwicklung seines persönlichen Ideals maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. „Sie sollte auf jeden Fall mehr können als die alte Walcker-Orgel“, so lautete die erste Bedingung. Vor allem sollten die stilistischen Möglichkeiten erweitert werden.
Der finanzielle Rahmen jedoch war eng gesteckt, das Bistum gab keinen Zuschuss für das Instrument. „Wir wollten eine kostengünstige Orgel, aber es sollte nicht auf Kosten der Qualität gehen“, so Fink. Also wurde ein „kleines Konzept“ entwickelt. So hat das Instrument nun zwei, statt anfangs erhoffter drei Manuale. Durch eine raffinierte Technik aber kann diese vermeintliche Einschränkung geschickt überspielt werden. 8.000 verschiedene Klangkombinationen sind immerhin möglich. Bei der Ausschreibung hat die Gemeinde übrigens keinen Betrag vorgegeben. Während sich die anderen Firmen mit deutlich höheren Kosten bewarben, machte Mebold ein Angebot von unter 400.000 Euro. Und auch die Qualität, die das Unternehmen versprach, überzeugte.
Dass der Orgelbau überhaupt zustande gekommen ist, verdankt die Gemeinde allerdings sich selbst. Schon beim Abbau der alten Orgel waren viele Mitglieder ehrenamtlich am Werk. Auch der Aufbau des neuen Instruments wurde unter der Anleitung der Profis von den „Orgelbaugehilfen auf Zeit“ bewerkstelligt. Während der drei- bis viermonatigen Bauzeit wurden die Orgelbauer von Gemeindemitgliedern verpflegt, außerdem stellte ihnen die Gemeinde eine Wohnung zur Verfügung.
Bei der Klanggestaltung hat Franz Fink intensiv mitgewirkt. „Ich kann meine Finger da nicht rauslassen“, grinst er. Sein Glück war, dass er mit dem Intonateur Uli Skriwan einen optimalen Partner gefunden hat. „Oft war er schon früh morgens an der Orgel, weil ihm nachts noch etwas eingefallen ist“, erinnert sich der Kantor. Das Ergebnis kann sich hören lassen. „Auch unsere Gastorganisten sind jedes mal verzaubert“, beteuert Fink. Mittlerweile werden hier Prüfungen der Kirchenmusikerausbildung im Bistum durchgeführt. „Die Orgel ist das Gegenteil von aggressiv – sie schreit nicht“, umschreibt der Musiker den Klang.
Und tatsächlich besticht das Instrument durch eine unaufdringliche Brillanz. Dennoch hat sie Durchsetzungsvermögen, kling niemals schwach oder willenlos. Eine besondere klangliche Eigenheit ist das Martinsgans-Quietschen, das die Orgel ebenfalls imitieren kann. Das Instrument verfügt insgesamt über 33 Register auf zwei Manualen und dem Fußpedal sowie 1888 Pfeifen. Für das Gehäuse wurden 10 Kubikmeter Eiche verbaut
Stilistisch kann nun endlich eine gewaltige Spannbreite abgedeckt werden. Barocke Klänge lasse sich hier ebenso erzeugen wie die satten Vorgaben romantischer Klassiker. Das Instrument kommt vor allem im Gottesdienst zum Einsatz. „Ich habe den Ehrgeiz, jedes Mal eines der großen Werke der Orgelliteratur zum Auszug zu spielen“, sagt Franz Fink. Mittlerweile bleiben auch viele Gottesdienstbesucher extra bis zu der letzten Note sitzen, weil sie wissen, dass sie hier fast ein kleines Konzert geboten bekommen. „Darüber freue ich mich, weil ich das Orgelspiel als Teil des Gotteslobs verstehe“, so Fink.
Doch wie war nun die Finanzierung möglich? Ganz besonderen Anteil daran hatte das Ehepaar Annethee und Dieter Schnell, die Motoren des Fördervereins. Durch Basare an Ostern und Weihnachten und die Beteiligung am Idsteiner Weihnachtsmarkt war rund ein Drittel der 290.000 Euro zusammen gekommen, die der Verein letztendlich aufbrachte. Verkauft wurden 4.000 Gläser Gelee und 2.600 Flaschen „Orgelwein“. Unterstützung gab es außerdem von der Stadt Idstein und der Stiftung „Initiative und Leistung“. Außerdem haben viele Gemeindemitglieder einen Dauerauftrag eingerichtet und die Arbeit damit persönlich unterstützt. Ohne sie wäre die Orgel, die am 22. Januar 2006 eingeweiht wurde, nie nach Idstein gekommen.
Veröffentlicht im Wiesbadener Tagblatt
Also sollte ein neues Instrument her. Nach und nach wurde klar, dass ein solches Unternehmen auch zu einer Veränderung an der Bausubstanz der Kirche führen würde, so wurde der bisherige Orgel-Förderverein zum Förderverein für die Neugestaltung des Innenraums. Schließlich entschloss sich der Pfarrgemeinderat gegen eine Empore, die im hinteren Bereich der Kirche hätte gebaut werden müssen. Geplant wurde ein Umbau des Chorraumes, so dass die Sänger während des Gottesdienstes nicht ständig ihren Platz wechseln müssen, die Orgel wurde in der Mündung vom Querschiff zum Hauptschiff vorgesehen.
Mittlerweile war viel Zeit ins Land gegangen, im Jahr 2002 ging es endlich los. In der Zwischenzeit hatte Franz Fink das Kantorenamt übernommen und sich um den Bau der Orgel gekümmert. Seine Vorgabe: Die neue Orgel sollte mit den alten handwerklichen Techniken gefertigt werden. Eine Ausschreibung wurde durchgeführt, die schließlich von der Firma Mebold aus Siegen gewonnen wurde. „Jeder Organist hat sein Idealinstrument im Kopf“, sagt Franz Fink und ist sich der privilegierten Situation bewusst, an der Entwicklung seines persönlichen Ideals maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. „Sie sollte auf jeden Fall mehr können als die alte Walcker-Orgel“, so lautete die erste Bedingung. Vor allem sollten die stilistischen Möglichkeiten erweitert werden.
Der finanzielle Rahmen jedoch war eng gesteckt, das Bistum gab keinen Zuschuss für das Instrument. „Wir wollten eine kostengünstige Orgel, aber es sollte nicht auf Kosten der Qualität gehen“, so Fink. Also wurde ein „kleines Konzept“ entwickelt. So hat das Instrument nun zwei, statt anfangs erhoffter drei Manuale. Durch eine raffinierte Technik aber kann diese vermeintliche Einschränkung geschickt überspielt werden. 8.000 verschiedene Klangkombinationen sind immerhin möglich. Bei der Ausschreibung hat die Gemeinde übrigens keinen Betrag vorgegeben. Während sich die anderen Firmen mit deutlich höheren Kosten bewarben, machte Mebold ein Angebot von unter 400.000 Euro. Und auch die Qualität, die das Unternehmen versprach, überzeugte.
Dass der Orgelbau überhaupt zustande gekommen ist, verdankt die Gemeinde allerdings sich selbst. Schon beim Abbau der alten Orgel waren viele Mitglieder ehrenamtlich am Werk. Auch der Aufbau des neuen Instruments wurde unter der Anleitung der Profis von den „Orgelbaugehilfen auf Zeit“ bewerkstelligt. Während der drei- bis viermonatigen Bauzeit wurden die Orgelbauer von Gemeindemitgliedern verpflegt, außerdem stellte ihnen die Gemeinde eine Wohnung zur Verfügung.
Bei der Klanggestaltung hat Franz Fink intensiv mitgewirkt. „Ich kann meine Finger da nicht rauslassen“, grinst er. Sein Glück war, dass er mit dem Intonateur Uli Skriwan einen optimalen Partner gefunden hat. „Oft war er schon früh morgens an der Orgel, weil ihm nachts noch etwas eingefallen ist“, erinnert sich der Kantor. Das Ergebnis kann sich hören lassen. „Auch unsere Gastorganisten sind jedes mal verzaubert“, beteuert Fink. Mittlerweile werden hier Prüfungen der Kirchenmusikerausbildung im Bistum durchgeführt. „Die Orgel ist das Gegenteil von aggressiv – sie schreit nicht“, umschreibt der Musiker den Klang.
Und tatsächlich besticht das Instrument durch eine unaufdringliche Brillanz. Dennoch hat sie Durchsetzungsvermögen, kling niemals schwach oder willenlos. Eine besondere klangliche Eigenheit ist das Martinsgans-Quietschen, das die Orgel ebenfalls imitieren kann. Das Instrument verfügt insgesamt über 33 Register auf zwei Manualen und dem Fußpedal sowie 1888 Pfeifen. Für das Gehäuse wurden 10 Kubikmeter Eiche verbaut
Stilistisch kann nun endlich eine gewaltige Spannbreite abgedeckt werden. Barocke Klänge lasse sich hier ebenso erzeugen wie die satten Vorgaben romantischer Klassiker. Das Instrument kommt vor allem im Gottesdienst zum Einsatz. „Ich habe den Ehrgeiz, jedes Mal eines der großen Werke der Orgelliteratur zum Auszug zu spielen“, sagt Franz Fink. Mittlerweile bleiben auch viele Gottesdienstbesucher extra bis zu der letzten Note sitzen, weil sie wissen, dass sie hier fast ein kleines Konzert geboten bekommen. „Darüber freue ich mich, weil ich das Orgelspiel als Teil des Gotteslobs verstehe“, so Fink.
Doch wie war nun die Finanzierung möglich? Ganz besonderen Anteil daran hatte das Ehepaar Annethee und Dieter Schnell, die Motoren des Fördervereins. Durch Basare an Ostern und Weihnachten und die Beteiligung am Idsteiner Weihnachtsmarkt war rund ein Drittel der 290.000 Euro zusammen gekommen, die der Verein letztendlich aufbrachte. Verkauft wurden 4.000 Gläser Gelee und 2.600 Flaschen „Orgelwein“. Unterstützung gab es außerdem von der Stadt Idstein und der Stiftung „Initiative und Leistung“. Außerdem haben viele Gemeindemitglieder einen Dauerauftrag eingerichtet und die Arbeit damit persönlich unterstützt. Ohne sie wäre die Orgel, die am 22. Januar 2006 eingeweiht wurde, nie nach Idstein gekommen.
Veröffentlicht im Wiesbadener Tagblatt
"Live Lyrix" übersetzt englische Hits ins Deutsche
Eigentlich ist die Situation etwas merkwürdig. Der Saal im Frankfurter Hof ist bist auf den letzten Platz gefüllt. Und scheinbar sitzen die Menschen da und hören sich Musik vom Band an. Das allein aber hätte wohl keinen von ihnen hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervor gelockt, es ist aber auch wirklich nicht alles, was bei den „Live Lyrix“ von SWR3 geboten wird. Drei Protagonisten sind es, denen zwischenzeitlich immer wieder die Aufmerksamkeit gilt. Die Schauspieler Carola von Grot und Ronald Spiess tragen nämlich die deutsche Übersetzung englischsprachiger Hits vor. Moderiert wird das ganze von Ben Streubel, der für lockeres Geplauder zwischen den Stücken steht.
Die „Live Lyrix“ sind die Bühnenversion einer SWR3-Sendung, die Sonntags morgens zu hören ist. Schon Ende 2006 war der Sender mit diesem Konzept auf Tournee und führte die Reihe nun wiederholt durch. Auf der Bühne stehen von innen beleuchtete Quader und Würfel, links und rechts ist jeweils ein mehrstrahliger Kerzenständer aufgestellt. Die Farben wechseln je nach Lied und Stimmung, Carola von Grot und Ronald Spiess bewegen sich in dieser Landschaft mal gemeinsam, mal allein.
Zum Duett setzen sie etwa bei „Something Stupid“ in der Version von Robbie Williams und Nicole Kidman an. „Ich weiß, dass ich sozusagen auf der Warteliste stehe in Sachen ’Einen Abend mit dir verbringen’“, heißt es da nüchtern am Anfang. Wer bisher nie auf den Text der Schnulze geachtet hat, wird sich wundern. „Du hast genug von den ewig gleichen Phrasen“, weiß der Sänger und rechnet sich nur mäßige Chancen aus, bei der Geliebten zu landen.
Eindrucksvoll bleibt der Text des Dire-Straights-Klassikers „Brothers in Arms“ in Erinnerung. Das Anti-Kriegs-Lied endet mit den Worten „Wir sind Narren, wenn wir Krieg führen gegen unsere Brüder“. Eine hübsche Ballade ist Tina Dicos autobiographisch angehauchtes „Room with a view“, in dem sie sich an vergangene Zeiten und eine verflossene Liebe erinnert, die in ihr noch lebendig ist.
Carola von Grot und Ronald Spiess gelingt es, mal hintergründiger, mal offensiver, die Töne mit ihren jeweiligen inhaltlichen Aussagen zu verknüpfen. Oft bekommt der Zuhörer dadurch die Möglichkeit, scheinbar längst bekannte Stücke deutlich aufmerksamer zu hören, als bisher.
Veröffentlicht in der Mainzer Allgemeinen Zeitung
Die „Live Lyrix“ sind die Bühnenversion einer SWR3-Sendung, die Sonntags morgens zu hören ist. Schon Ende 2006 war der Sender mit diesem Konzept auf Tournee und führte die Reihe nun wiederholt durch. Auf der Bühne stehen von innen beleuchtete Quader und Würfel, links und rechts ist jeweils ein mehrstrahliger Kerzenständer aufgestellt. Die Farben wechseln je nach Lied und Stimmung, Carola von Grot und Ronald Spiess bewegen sich in dieser Landschaft mal gemeinsam, mal allein.
Zum Duett setzen sie etwa bei „Something Stupid“ in der Version von Robbie Williams und Nicole Kidman an. „Ich weiß, dass ich sozusagen auf der Warteliste stehe in Sachen ’Einen Abend mit dir verbringen’“, heißt es da nüchtern am Anfang. Wer bisher nie auf den Text der Schnulze geachtet hat, wird sich wundern. „Du hast genug von den ewig gleichen Phrasen“, weiß der Sänger und rechnet sich nur mäßige Chancen aus, bei der Geliebten zu landen.
Eindrucksvoll bleibt der Text des Dire-Straights-Klassikers „Brothers in Arms“ in Erinnerung. Das Anti-Kriegs-Lied endet mit den Worten „Wir sind Narren, wenn wir Krieg führen gegen unsere Brüder“. Eine hübsche Ballade ist Tina Dicos autobiographisch angehauchtes „Room with a view“, in dem sie sich an vergangene Zeiten und eine verflossene Liebe erinnert, die in ihr noch lebendig ist.
Carola von Grot und Ronald Spiess gelingt es, mal hintergründiger, mal offensiver, die Töne mit ihren jeweiligen inhaltlichen Aussagen zu verknüpfen. Oft bekommt der Zuhörer dadurch die Möglichkeit, scheinbar längst bekannte Stücke deutlich aufmerksamer zu hören, als bisher.
Veröffentlicht in der Mainzer Allgemeinen Zeitung
Dienstag, 4. Dezember 2007
Bach-Collegium München mit "Festlichem Adventskonzert"
Vor Weihnachten gibt es eine Menge davon. „Festliche Adventskonzerte“ finden überall statt, wo man hinblickt. Zu den einheimischen Kulturgewächsen, den Orchestern und Chören vor allem der Kirchengemeinden, gesellen sich zunehmend professionelle Ensembles, die mit ihrem Programm auf Vorweihnachts-Besuch vorbei kommen. So auch das Bach-Collegium München und sein Leiter Hansjörg Albrecht, der gleichzeitig in die Tasten des Cembalos griff. Auf dem Programm im Kurhaus stand tatsächlich Festliches und leicht Verdauliches. So auch die Wassermusik und die Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel. Wohl zwei der populärsten Stücke aus seiner Feder. Die Gäste aus München verwendeten hier vor allem plakative Tempi und fielen damit beständig in die Extreme von schnell und langsam. Von den Bläsern hätte man sich in der Feuerwerksmusik wohl etwas klarere Phrasierungen gewünscht. Für das Cellokonzert C-Dur von Joseph Haydn kam die junge Cellistin Lena Wignjosaputro hinzu. Die 1983 geborene Musikerin hat bereits zahlreiche Preise gewonnen und ist unter anderem mit ihrem Lusingan-Streichquartett Stipendiatin der Stiftung Villa Musica. Ihr Wiesbadener Auftritt geriet etwas zwiespältig. Während sie stellenweise mit einer herausragenden technischen Finesse und klanglicher Souveränität überzeugte, verschluckte sie in den schnellen Passagen buchstäblich die eine oder andere Note, auch intonatorische Probleme ließen sich nicht immer überhören. Dafür gefiel die zurückhaltende Eleganz und Sanglichkeit, die sie im langsamen Satz vorzeigte.
Veröffentlicht im Wiesbadener Kurier / Wiesbadener Tagblatt
Veröffentlicht im Wiesbadener Kurier / Wiesbadener Tagblatt
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