Bernhard Langs Musiktheater „Der Alte vom Berge“ wurde nun mit großem Einsatz aller Beteiligten bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt.
Uraufführungen von Opern sind oft auch eine Bestandsaufnahme. Für die musikalische Entwicklung im Allgemeinen und natürlich kommt auch ein Komponist bei der Arbeit an so einem umfangreichen Werk gerne einmal in Versuchung, viele seiner bislang unverwirklichten Ideen gleich in einem Aufwasch abzuhandeln. Bernhard Lang hat so eine Idee lange Zeit mit sich herum getragen und sie nun dank des Kompositionsauftrags der Schwetzinger Festspiele umsetzen können. Herausgekommen ist „Der Alte vom Berge“, ein Stück Musiktheater, das Lang auf den Text „The Last Words of Hasan-i Sabbah“ von William S. Burroughs zurückführt. Darin wird weniger eine Geschichte erzählt, als eine Agglomeration von Atmosphären beschrieben.
Dem trägt schon das Libretto Rechnung, das sich Lang aus dem Internet zusammen gesucht hat. Auch hier geht es nicht darum, einen Erzählstrang zu verfolgen. Getreu dem Kernsatz: „Nothing is true, everything is permitted” (Nichts ist wahr, alles ist erlaubt). Das soll der Wahlspruch von Hassan III. gewesen sein. Dieser steht im letzten Drittel einer Dynastie von Sektenführern. Die Assassinen, wie sie sich nannten, beherrschten zwischen 1090 und 1265 einen Teil des heutigen Iran.
Lang packt diese Zeit in eine teilweise rauschhafte und mit symbolhaften Andeutungen angereicherte Synthese, die im zweiten Teil in einer Drogen- und Sexorgie kulminiert. Die Protagonisten, die zunächst als bizarre Bande zwielichtiger Halbwelter in Erscheinung treten, ergeben sich im Haschisch-Rausch ihrer Paradiesvorstellung. Hintergrund: Um diesen Zustand erneut und endgültig zu erreichen, müssen sie sich ganz in die Hände des Herrschers begeben, unter anderem bedingungslos töten. Auch Osama bin Ladin beruft sich auf Hasan-i Sabbah.
Dem jungen Solisten-Ensemble wird bei der Umsetzung darstellerisch wie sängerisch einiges abverlangt, die musikalischen Anforderungen reichen von stakkatohafter Dauer-Extase bis zu dissonanter Klangschichtung. Ruth Weber (Sopran), Raminta Babickaité (Mezzosopran), Daniel Gloger, Tim Severloh (beide Countertenor), Ekkehard Abele und Assaf Levitin (beide Bassbariton) bewältigen diese Aufgabe mit bewundernswertem Einsatz und effektvoller Präsenz.
Bernhard Lang ist ein mitunter etwas überladenes, durchaus aber immer wieder packendes Spektakel gelungen, das mit elektrischen und akustischen Instrumenten sowie Mehrkanalzuspielungen seine Wirkung nicht verfehlt. Vor allem Rolf Guptas ausgesprochen konzentrierter und klar strukturierenden musikalischen Leitung ist ein gewichtiger Anteil am Erfolg der Uraufführung zuzuschreiben. An den Pulten: Musiker des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Freitag, 18. Mai 2007
Donnerstag, 17. Mai 2007
Vivaldi-Oper "Motezuma bei den Wiesbadener Maifestspielen
Bei den Internationalen Maifestspielen In Wiesbaden stell sich die Regie bei Vivaldis Oper „Motezuma“ ganz in den Dienst der Musik
Es hat etwas gedauert, bis die musikwissenschaftliche Sensation ihren Weg auf die Bühne gefunden hat. 2002 wurde die Oper „Motezuma“ von Antonio Vivaldi im gerade aus Kiew zurück gekehrten Archiv der Berliner Singakademie entdeckt, worauf sich zunächst ein kleingeistiger Streit um die Aufführungsrechte entspannte. Erst im Sommer vergangenen Jahres wurde das Werk von Gerichts wegen frei gegeben und beim Düsseldorfer Altstadtherbst szenisch wiederaufgeführt. Alan Curtis hat das Werk mit dem Originalklang-Ensemble „Il Complesso Barocco“ und ausgezeichneten Solisten eingespielt. Dass es gelungen ist, die komplette Besetzung zu den Maifestspielen nach Wiesbaden zu holen, ist eine weitere, wenn sicherlich auch historisch gesehen durchaus kleinere Sensation.
Die Inszenierung von Stefano Viczioli hält sich bewusst zurück. Sie stellt sich erstaunlich konservativ ganz in den Dienst der Musik. In Wiesbaden ist alles echt. Die Uniformen der spanischen Eroberer, der bunte Federschmuck der Eingeborenen, die um ihr Überleben kämpfen. Genau genommen wird hier jedoch Geschichtsverklärung betrieben. Kaiser Motezuma unterliegt spanischen Eroberer Fernando, dessen Bruder Ramiro mit Motezumas Tochter Teutile eine heimliche Liaison eingegangen ist. Am Ende darf Motezuma als Vasall des spanischen Königs Mexiko weiter regieren, unter der Bedingung dass das junge Paar heiraten kann. So glimpflich ging das seinerzeit nicht aus.
Absolut schlüssig ist das musikalische Konzept. Mary-Ellen Nesi als majestätische Kaiserin Mitrene begeistert mit sinnlich warmem Timbre, Maite Beaumont meistert brillant den Fernando Cortés zwischen Ehrenmann und machtbewusstem Eroberer. Vito Priante ist in der Titelpartie kraftstrotzend und doch immer kultiviert zu erleben. Alan Curtis leitet die Aufführung pointiert und mit klar ausgerichtetem Blick auf klangliche Effekte.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Es hat etwas gedauert, bis die musikwissenschaftliche Sensation ihren Weg auf die Bühne gefunden hat. 2002 wurde die Oper „Motezuma“ von Antonio Vivaldi im gerade aus Kiew zurück gekehrten Archiv der Berliner Singakademie entdeckt, worauf sich zunächst ein kleingeistiger Streit um die Aufführungsrechte entspannte. Erst im Sommer vergangenen Jahres wurde das Werk von Gerichts wegen frei gegeben und beim Düsseldorfer Altstadtherbst szenisch wiederaufgeführt. Alan Curtis hat das Werk mit dem Originalklang-Ensemble „Il Complesso Barocco“ und ausgezeichneten Solisten eingespielt. Dass es gelungen ist, die komplette Besetzung zu den Maifestspielen nach Wiesbaden zu holen, ist eine weitere, wenn sicherlich auch historisch gesehen durchaus kleinere Sensation.
Die Inszenierung von Stefano Viczioli hält sich bewusst zurück. Sie stellt sich erstaunlich konservativ ganz in den Dienst der Musik. In Wiesbaden ist alles echt. Die Uniformen der spanischen Eroberer, der bunte Federschmuck der Eingeborenen, die um ihr Überleben kämpfen. Genau genommen wird hier jedoch Geschichtsverklärung betrieben. Kaiser Motezuma unterliegt spanischen Eroberer Fernando, dessen Bruder Ramiro mit Motezumas Tochter Teutile eine heimliche Liaison eingegangen ist. Am Ende darf Motezuma als Vasall des spanischen Königs Mexiko weiter regieren, unter der Bedingung dass das junge Paar heiraten kann. So glimpflich ging das seinerzeit nicht aus.
Absolut schlüssig ist das musikalische Konzept. Mary-Ellen Nesi als majestätische Kaiserin Mitrene begeistert mit sinnlich warmem Timbre, Maite Beaumont meistert brillant den Fernando Cortés zwischen Ehrenmann und machtbewusstem Eroberer. Vito Priante ist in der Titelpartie kraftstrotzend und doch immer kultiviert zu erleben. Alan Curtis leitet die Aufführung pointiert und mit klar ausgerichtetem Blick auf klangliche Effekte.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Sonntag, 29. April 2007
Eugen d'Alberts Oper "Tiefland" zur Eröffnung der Maifestspiele Wiesbaden
Langweilig inszeniert und gut gesungen präsentiert sich Eugen d’Alberts Oper „Tiefland“ zum Auftakt der Internationalen Maifestspiele in Wiesbaden
Gerade einmal vier Monate, nachdem die Oper in Frankfurt Premiere hatte, wurde sie nun auch am Wiesbadener Staatstheater auf die Bühne gebracht. Zur Eröffnung der Internationalen Maifestspiele hatte sich der Regie führende Intendant Manfred Beilharz für Eugen d’Alberts „Tiefland“ entschieden. Und ähnlich wie Anselm Weber am Main bleibt auch Beilharz in der Landeshauptstadt dem Werk weitestgehend treu. Tatsächlich bleibt der Wiesbadener noch konventioneller in allem, was zu sehen ist. Dementsprechend blutarm fiel auch der Applaus für die Regie aus. Selbst Unmutsäußerungen waren nur verhalten zu hören. Ebenso gut hätten die Akteure im Sitzen vor einer weißen Wand singen können.
Der Hirte Pedro wärmt sich zu Beginn an einem kleinen Feuer in einer mondänen Felsenlandschaft aus riesigen dunklen Platten, die um ihn herum in den Himmel ragen. Ansonsten spielt die Oper ausschließlich in einer halb aufgeschnittenen Mühle, in der selbst die Kornsäcke und die Kittel der Mühlenarbeiter passend auf Ort und Zeit zugeschnitten sind. Das kann man schon machen, wirkt aber als Kulisse irgendwann arg langweilig. Ähnlich wie die Ausstattung von Bernd Holzapfel hat auch Beilharz vor allem eine schlichte Nacherzählung im Sinn.
Es gibt Momente, in denen er kleine Akzente setzt. Etwa wenn er der zur Hochzeit gezwungenen Marta einen schwarzen Schleier aufsetzt. Auch das Ende, in dem das junge Paar eigentlich glücklich in die Berge zieht wird jäh verändert, weil es beim Verlassen der Mühle auf eine Schar Uniformierter stößt. Ansonsten wird nicht viel geboten. Die Handlung plätschert ordentlich vor sich hin: Sebastiano hat Pedro dazu auserkoren, die junge Marta zu heiraten. Er selbst vergeht sich regelmäßig an ihr, muss aber nun aus wirtschaftlichen Gründen heiraten. Da die Gerüchte über seine Machenschaften brodeln, will er sich mit der Hochzeit aus der Affäre ziehen – ohne freilich auf seine vermeintlichen Besitzansprüche auf Marta zu verzichten. Erst allmählich freundet sich das ungewollte Paar an, schließlich erwürgt Pedro den Peiniger seiner Frau im Kampf.
Musikalisch konterkarieren Ensemble und Orchester die uninspirierte Inszenierung auf ganz ausgezeichnete Art. Stimmlich bleiben da nur ganz wenige Wünsche offen. Milena Butaeva ist als Marta eine wandlungsfähige Sängerin wie Darstellerin. Auch wenn ihr gerade im zweiten Teil ihres enorm kräftezehrenden Parts manche Töne doch arg schwer zu fallen scheinen, ändert das nichts an ihrer wirkungsvollen Bühnenpräsenz. Anrührend ihre Erzählung „Ich weiß nicht, wer mein Vater war“, zwischenzeitlich entwickelt sie eine sehr effektvolle Schärfe. Alfons Eberz kann als Pedro durchgängig überzeugen. Sein Gastspiel an einem der Häuser, dem er seine beachtliche Karriere zu verdanken hat, wird vom Publikum entsprechend begeistert aufgenommen.
Andreas Scheibner verleiht der Rolle des Sebastiano strenge Konturen, Emma Pearson gefällt apart als Mühlenmagd Nuri. Fabrizio Ventura verhilft dem Wiesbadener Staatsorchester zu machtvoll aufblühendem Klang, der dem veristischen Naturell der Oper ausgezeichnet steht.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Gerade einmal vier Monate, nachdem die Oper in Frankfurt Premiere hatte, wurde sie nun auch am Wiesbadener Staatstheater auf die Bühne gebracht. Zur Eröffnung der Internationalen Maifestspiele hatte sich der Regie führende Intendant Manfred Beilharz für Eugen d’Alberts „Tiefland“ entschieden. Und ähnlich wie Anselm Weber am Main bleibt auch Beilharz in der Landeshauptstadt dem Werk weitestgehend treu. Tatsächlich bleibt der Wiesbadener noch konventioneller in allem, was zu sehen ist. Dementsprechend blutarm fiel auch der Applaus für die Regie aus. Selbst Unmutsäußerungen waren nur verhalten zu hören. Ebenso gut hätten die Akteure im Sitzen vor einer weißen Wand singen können.
Der Hirte Pedro wärmt sich zu Beginn an einem kleinen Feuer in einer mondänen Felsenlandschaft aus riesigen dunklen Platten, die um ihn herum in den Himmel ragen. Ansonsten spielt die Oper ausschließlich in einer halb aufgeschnittenen Mühle, in der selbst die Kornsäcke und die Kittel der Mühlenarbeiter passend auf Ort und Zeit zugeschnitten sind. Das kann man schon machen, wirkt aber als Kulisse irgendwann arg langweilig. Ähnlich wie die Ausstattung von Bernd Holzapfel hat auch Beilharz vor allem eine schlichte Nacherzählung im Sinn.
Es gibt Momente, in denen er kleine Akzente setzt. Etwa wenn er der zur Hochzeit gezwungenen Marta einen schwarzen Schleier aufsetzt. Auch das Ende, in dem das junge Paar eigentlich glücklich in die Berge zieht wird jäh verändert, weil es beim Verlassen der Mühle auf eine Schar Uniformierter stößt. Ansonsten wird nicht viel geboten. Die Handlung plätschert ordentlich vor sich hin: Sebastiano hat Pedro dazu auserkoren, die junge Marta zu heiraten. Er selbst vergeht sich regelmäßig an ihr, muss aber nun aus wirtschaftlichen Gründen heiraten. Da die Gerüchte über seine Machenschaften brodeln, will er sich mit der Hochzeit aus der Affäre ziehen – ohne freilich auf seine vermeintlichen Besitzansprüche auf Marta zu verzichten. Erst allmählich freundet sich das ungewollte Paar an, schließlich erwürgt Pedro den Peiniger seiner Frau im Kampf.
Musikalisch konterkarieren Ensemble und Orchester die uninspirierte Inszenierung auf ganz ausgezeichnete Art. Stimmlich bleiben da nur ganz wenige Wünsche offen. Milena Butaeva ist als Marta eine wandlungsfähige Sängerin wie Darstellerin. Auch wenn ihr gerade im zweiten Teil ihres enorm kräftezehrenden Parts manche Töne doch arg schwer zu fallen scheinen, ändert das nichts an ihrer wirkungsvollen Bühnenpräsenz. Anrührend ihre Erzählung „Ich weiß nicht, wer mein Vater war“, zwischenzeitlich entwickelt sie eine sehr effektvolle Schärfe. Alfons Eberz kann als Pedro durchgängig überzeugen. Sein Gastspiel an einem der Häuser, dem er seine beachtliche Karriere zu verdanken hat, wird vom Publikum entsprechend begeistert aufgenommen.
Andreas Scheibner verleiht der Rolle des Sebastiano strenge Konturen, Emma Pearson gefällt apart als Mühlenmagd Nuri. Fabrizio Ventura verhilft dem Wiesbadener Staatsorchester zu machtvoll aufblühendem Klang, der dem veristischen Naturell der Oper ausgezeichnet steht.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Freitag, 20. April 2007
Oslo Philharmonic Orchestera unter Leitung von Jukka-Pekka Saraste in der Alten Oper Frankfurt
Eigentlich ist das ja schon zu nahe liegend, wenn ein norwegisches Orchester Grieg und Sibelius spielt. Und tatsächlich entsprach das Oslo Philharmonic Orchestra in der Alten Oper nun auch genau dem Bild, das man sich als Klischee vorher machen konnte. Üppige Klangmalereien und plastische musikalische Umsetzung von Naturschilderungen prägten dieses Konzert. Der finnische Dirigent Jukka-Pekka Saraste, der seit dieser Saison dem Orchester als Musikdirektor vorsteht, tat auch alles, um diesem Pathos zusätzlichen Schub zu verleihen. Und warum auch nicht. Opulente Farben schwelgerischer Streichertutti stecken nun mal in der Peer-Gynt-Suite op. 23 von Edvard Grieg. Aber auch die kontrastierenden lebenslustigen Adaptionen aus volksmusikalischen Studien. Das wirkt gerade dann besonders effektvoll, wenn diese Kontraste mit so einer selbstverständlichen Authentizität wie hier transportiert werden. Auffallend dabei übrigens die besonders sauber intonierenden Holzbläser, die auch an Angststellen nie der Mut verließ. In einem kurze Ausflug nach Frankreich mit Claude Debussys Ballettmusik „Jeux“ überraschte das Orchester mit seiner erzählerischen Kompetenz im Kollektiv, reihte ausgesprochen differenziert die oft zusammenhanglos scheinenden Themenabschnitte akkurat und flüssig aneinander. Mit der abschließenden zweiten Sinfonie D-Dur op. 43 von Jean Sibelius schien sich jeder einzelne Musiker persönlich identifiziert zu haben. Eindrucksvoll vor allem, wie sie im langsamen Satz die Klangspektren kontinuierlich und sehr behutsam auffächerten.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Montag, 2. April 2007
Charles Gounods Oper "Faust" am Staatstheater Wiesbaden
Mephisto ist nun wirklich keine angenehme Gestalt. Und wer ihn sich mutwillig herbei ruft, muss damit rechnen, dass er das Ruder des eigenen Lebens rasch in seine Dienste stellt. Grauenhaft ist diese Vorstellung und in diesem Grauen ungemein faszinierend. Johann Wolfgang von Goethe erlag dieser Faszination wohl am eindrucksvollsten in der überlieferten Literatur. Sein „Faust“ ist zum Inbegriff des Ringens zwischen den Mächten geworden und zum prominenten Fallbeispiel für den menschlichen Irrtum in seinem eitlen Streben nach Erkenntnis und Gewissheit. Dass auch große Komponisten von diesem Stoff angeregt wurden, ist nur verständlich – so mancher Versuch scheiterte jedoch bereits im Ansatz. Nicht so der „Faust“ von Charles Gounod, dessen Libretto aus Fausts Klassiker und dem Drama „Faust et Marguerite“ von Michel Carré entstanden ist.
In Wiesbaden hatte das Stück nun Premiere und geriet Dank einer nahezu spektakulär pointierten Inszenierung von Jean-Christophe Maillot rasch zum Publikumsliebling. Selten war man sich in diesem Haus derart einig in der spontanen Beurteilung von Regie und musikalisch-darstellerischer Umsetzung. Dabei ist die Deutung des französischen Choreographen, der hier ein sicheres Gespür für die Oper bewiesen hat, alles andere als gefällig oder leicht zu durchdringen.
Im Zentrum stehen die Machenschaften eines Mephisto, der immer mehr nur noch im eigenen Dienst die Zerstörung eines bis dahin unbescholtenen Mädchens vorantreibt. Von Faust gerufen, der sich mit elastischen Schnüren an seinen Stuhl gefesselt sieht, treibt er sein unbarmherziges Unwesen. Und er ist sofort uneingeschränkter Herr der Lage. Schon bevor er überhaupt aufgetaucht ist, hat er in Maillots Version seine Schatten vorausgeschickt. Die haben Faust von Anfang an in der Mangel, treiben ihn förmlich dazu, sein Unglück herbei zu rufen.
Die Szenenfolgen leben von einem plakativen Kontrast aus knallbuntem Bühnenzauber und kontinuierlich voran getriebener Düsternis. Ein Kreuz beherrscht ab dem zweiten Akt die Sicht, es ist aber nie Zeichen der Überlegenheit des Guten. Denn selbst als es strahlend Zuflucht zu gewähren scheint, ist es doch nur trügerischer Schein. Es steht in letzter Konsequenz auf dem Kopf, ist zum Zeichen des Bösen geworden.
Die musikalische Ausgestaltung korrespondiert in exzellenter Weise mit den Vorgaben des Regisseurs sowie seines Bühnenbildners Rolf Sachs. Eine wesentliche Rolle spielen hier auch die effektbetonenden Lichtwechsel von Thomas Märker. Marc Piollet gelingt es außerordentlich gut, sein Orchester mit einem geradezu diabolischen Unterton auszustatten, der keine Kompromisse duldet. Bestens auf die Handlung ausgerichtet, treiben die Musiker aus dem Graben eine Stimmung voran, der sich der Zuhörer nicht zu entziehen vermag.
Überragend die stimmlichen wie spielerischen Leistungen von Christof Fischesser in der Rolle des Mephisto. Der aus Wiesbaden stammende Bass hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der interessantesten Vertreter seines Fachs entwickelt. Auch die Partie der Margarete ist mit Mardi Byers mit einem Gast besetzt. Sie vollzieht glaubhaft die zahlreichen Wandlungen einer zum Spielball gewordenen Unschuldigen. Adrett Sharon Kempton als ihre kleine Verehrerin Siebel, ausgestattet mit glockenheller Stimme. Gestaltungsfreudig ist Alfred Kim als Faust mit nicht nachlassender Präsenz eine konstante Größe in dieser Inszenierung. Die Massenszenen werden von Chor und Extra-Chor gezielt und lebendig umgesetzt.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
In Wiesbaden hatte das Stück nun Premiere und geriet Dank einer nahezu spektakulär pointierten Inszenierung von Jean-Christophe Maillot rasch zum Publikumsliebling. Selten war man sich in diesem Haus derart einig in der spontanen Beurteilung von Regie und musikalisch-darstellerischer Umsetzung. Dabei ist die Deutung des französischen Choreographen, der hier ein sicheres Gespür für die Oper bewiesen hat, alles andere als gefällig oder leicht zu durchdringen.
Im Zentrum stehen die Machenschaften eines Mephisto, der immer mehr nur noch im eigenen Dienst die Zerstörung eines bis dahin unbescholtenen Mädchens vorantreibt. Von Faust gerufen, der sich mit elastischen Schnüren an seinen Stuhl gefesselt sieht, treibt er sein unbarmherziges Unwesen. Und er ist sofort uneingeschränkter Herr der Lage. Schon bevor er überhaupt aufgetaucht ist, hat er in Maillots Version seine Schatten vorausgeschickt. Die haben Faust von Anfang an in der Mangel, treiben ihn förmlich dazu, sein Unglück herbei zu rufen.
Die Szenenfolgen leben von einem plakativen Kontrast aus knallbuntem Bühnenzauber und kontinuierlich voran getriebener Düsternis. Ein Kreuz beherrscht ab dem zweiten Akt die Sicht, es ist aber nie Zeichen der Überlegenheit des Guten. Denn selbst als es strahlend Zuflucht zu gewähren scheint, ist es doch nur trügerischer Schein. Es steht in letzter Konsequenz auf dem Kopf, ist zum Zeichen des Bösen geworden.
Die musikalische Ausgestaltung korrespondiert in exzellenter Weise mit den Vorgaben des Regisseurs sowie seines Bühnenbildners Rolf Sachs. Eine wesentliche Rolle spielen hier auch die effektbetonenden Lichtwechsel von Thomas Märker. Marc Piollet gelingt es außerordentlich gut, sein Orchester mit einem geradezu diabolischen Unterton auszustatten, der keine Kompromisse duldet. Bestens auf die Handlung ausgerichtet, treiben die Musiker aus dem Graben eine Stimmung voran, der sich der Zuhörer nicht zu entziehen vermag.
Überragend die stimmlichen wie spielerischen Leistungen von Christof Fischesser in der Rolle des Mephisto. Der aus Wiesbaden stammende Bass hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der interessantesten Vertreter seines Fachs entwickelt. Auch die Partie der Margarete ist mit Mardi Byers mit einem Gast besetzt. Sie vollzieht glaubhaft die zahlreichen Wandlungen einer zum Spielball gewordenen Unschuldigen. Adrett Sharon Kempton als ihre kleine Verehrerin Siebel, ausgestattet mit glockenheller Stimme. Gestaltungsfreudig ist Alfred Kim als Faust mit nicht nachlassender Präsenz eine konstante Größe in dieser Inszenierung. Die Massenszenen werden von Chor und Extra-Chor gezielt und lebendig umgesetzt.
Veröffentlicht in der Frankfurter Neuen Presse
Abonnieren
Posts (Atom)
